Blog > Weihnachtsroman ❤︎ Kapitel 5

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London Christmas Romance, Die Legende der Mistelzweigküsse, MistelzweigKapitel 5
Von Sternen und den kleinen Dingen im Leben

Freitag, 24. November

Wenn man in einem Haushalt voller Kreativität aufgewachsen ist, wird man zwangsläufig entweder selbst Künstler oder man wird das genaue Gegenteil: bodenständig, ordnungsliebend und strukturiert. So wie Gwendolyn.

Einen Plan zu haben, Listen, die sie abarbeiten konnte, machte sie glücklich. Selbst in der Schublade des Verkaufstresens lag bereits eine To-Do-Liste, mit allem, was bis zur Eröffnung noch erledigt werden musste. Es war kein Zwang, sie gaben ihr einfach ein beruhigendes Gefühl.

Ganz oben auf der Liste standen zwei Schaufensterbanner, die sie in Auftrag geben wollte, und ein hübsches Service, das heute geliefert werden sollte; handgefertigt aus Ton und in hinreißendem Himbeerrosa gebrannt.

Eine unberechenbare Unbekannte gab es leider in ihrer Gleichung: Flash Roger. Daher rief sie direkt im Betrieb an und erkundigte sich, wann er wiederkäme. Das wiederum fand Doktor Strom, der eigentlich Thomas Cablety hieß, sehr verwunderlich. Denn er war davon ausgegangen, dass die Arbeit bereits erledigt war. Er sicherte ihr zu, dass Roger zwischen zwölf und vier erneut zu ihr kommen würde. Gwendolyn schüttelte innerlich den Kopf. Die Akademische Viertelstunde war bei Handwerkern ein dehnbarer Begriff.

Worauf sie sich aber wie immer verlassen konnte, war ihre Mom. Holly war schon wieder fleißig bei der Arbeit. Heute installierte sie in den Erkern der Schaufenster Regale und Böden für die Auslage. Eine stilvolle Installation aus geölter Eiche. In die Rückwände waren mehrere kleine Ablagebrettchen eingelassen, um einzelne Bücher zu präsentieren. Sie waren nur halbhoch, damit die Cafégäste über die Auslagen hinweg nach draußen schauen konnten. Als I-Tupfer hatte ihre Mom noch kleine hölzerne Buchaufsteller angefertigt, die sie auf der Auslagefläche oder auf dem Verkaufstresen nutzen konnte.

Plötzlich ertönte gleichzeitig mit dem Schleifgeräusch der Ladentür und dem Glöckchengebimmel ein fröhliches „Tüdelüü!“ Nur einen Augenblick später standen zwei Frauen mitten im Vorraum. Die eine war rundlich mit lustigen roten Flechtzöpfen, die unter einer dicken Strickmütze hervorlugten. Ihr Filzmantel war weit und kunterbunt. Sie trug eine große runde Transportbox mit Deckel wie einen Bauchladen vor sich her. Die andere war nicht viel größer, jedoch steckte ihre schmale Figur in einem dezenteren Mantel in dunkelblau und rot. Woran Gwendolyns Blick kurz, aber umso irritierter hängen blieb, war ihre Wintermütze: Sie hatte die Form der traditionellen englischen Polizeihelme im rot-blau-weißen Design des Union Jacks. Darunter quollen rechts und links Nester blonden, toupierten Haars wie Ohrenschützer hervor.

„Hallo, kann ich Ihnen helfen?“ Gwendolyn stieg von ihrer Trittleiter und sah die beiden Besucherinnen neugierig an.

„Wir möchten Sie in der Nachbarschaft herzlich willkommen heißen, Herzchen!“, verkündete Miss Union Jack. „Mein Name ist Bethany Blinks und das ist meine Schwester Lillibeth. Aber wir hören nur auf Betty und Lilly!“

Lillibeth kicherte vergnügt.

„Welches Geschäft ist Ihres?“, wollte Gwendolyn wissen.

„Der Souvenir Shop Royalblue.“

„Ja, meine Schwester und ich waren schon als Kinder vernarrt in alles, was das Königshaus angeht. Wir haben unsere Leidenschaft zum Beruf gemacht.“ Lillibeth sprach leise und kicherte wieder.

„Mein Name ist Gwendolyn Shakespeare. Gerne Gwen für euch! Und das ist meine Mutter Holly. Sie hilft mir bei der Renovierung.“ Ihre Mom (heute in dunkelgrüner Cordlatzhose) winkte freundlich und widmete sich dann wieder den Buchablagen.
„Eine handwerklich begabte Mutter ist immer Gold wert!“, nickte Bethany, während sie Gwendolyn immer noch anlächelte, als wäre das Leben mit Zuckerguss überzogen.

Mit Glöckchengebimmel rauschte noch jemand in den Laden.

„Hallo Liebes! Was für eine wundervolle Haarfarbe!“, staunte Bethany, als Olivia die weite Kapuze ihres Mantels absetzte.

„Vielen Dank!“, lächelte Olivia überrascht.

„Das sind Lilly und Betty vom Souvenir Shop Royalblue, die Straße runter. Und das ist Oli, meine beste Freundin“, stellte Gwen vor.

Jetzt stieß Betty ihre Schwester mit ihrem Ellenbogen in die Seite.

„Ach natürlich! Hab wieder nur bunte Streusel im Kopf!“, kicherte Lillibeth und löste den Deckel der Transportbox. Der Duft, der Gwendolyn und Olivia nun um die Nasen wehte, ließ sie beide genießerisch die Augen schließen und in der Luft schnuppern.

„Was ist das himmlisch Leckeres?“

„Das sind Lillys unvergleichliche Punschbrownies: Weihnachtsgewürze, feinste Zartbitterschokolade, Walnüsse und weiche Karamellwürfel, die auf der Zunge zergehen. Ein kleines Willkommensgeschenk.“

Als Lillibeth ihr die Box reichte, griff Gwendolyn hinein und war hin und weg. Die Punschbrownies übertrafen mit ihrem unwiderstehlichen Geschmack, was Bethany versprochen hatte.

„Und dies ist noch eine flüssige Stärkung.“ Bethany zückte eine bauchige Flasche aus ihrem Korb und goss einen ebenfalls selbst gemachten Eierlikör in mehrere Pinnchen; natürlich mit den Konterfeis der Royals. Zwei davon gab sie Olivia und Gwendolyn und reichte Holly eins ins Schaufenster. Sie stießen auf gute Nachbarschaft und das Du an. Diese Beths waren wirklich zwei zuckersüße Wesen! So einen netten Willkommensgruß hätte Gwendolyn sich von Theon Barline auch gewünscht. Ob Eierlikör hilfreich sein konnte?

„Das lassen wir dir hier.“ Bethany stellte die Eierlikörflasche und Lillibeth die Punschbrownies auf dem Verkaufstresen ab. „Wir wollen euch jetzt auch nicht länger bei der Arbeit stören. Oh, aber eins noch! Am kommenden Montag um 19 Uhr findet unsere Nachbarschaftsversammlung im The Pale Moon, dem Pub unten in der Kurve, statt. Es wäre schön, wenn du es einrichten könntest, damit dich alle kennenlernen. Ach, und bring ein kleines Wichtelgeschenk mit!“

„Besucht uns doch mal im Royalblue?“, lud Lillibeth sie noch ein und trippelte kichernd und winkend hinter ihrer Schwester zur Ladentür hinaus.

„Das werde ich gerne tun!“, rief Gwendolyn ihnen hinterher.

Die Beths waren noch nicht lange weg, da öffnete sich schon wieder die Ladentür. Diesmal betrat eine junge Frau den Verkaufsraum und sah sich neugierig um. Warum sie keine Winterkleidung über ihrem eleganten Kostüm trug, wurde Gwendolyn bald bewusst.

Als sie Gwendolyn entdeckt hatte, fragte sie lächelnd: „Miss Shakespeare?“ Zwei Strähnen ihres Haupthaars waren rechts und links sorgsam gezwirbelt, und eine Goldspange hielt sie an ihrem Hinterkopf fest. Das Haar darunter fiel in stürmischen Wellen über ihre Schultern in ihren Rücken. Durch die Natürlichkeit ihres hübschen Gesichts strahlte sie eine unglaubliche Schönheit aus. Mit ihrem Lächeln schwappte eine Welle der Sympathie zu Gwendolyn herüber. Sie nickte, legte den Pinsel beiseite und trat zu ihr.

„Georgina Barline, nenn mich gerne Gina.“
„Gwendolyn Shakespeare.“

„Ich nenn sie Cap, und du kannst sie gern Gwen oder Gwenny nennen! Ich bin Oli, hallo!“, mischte sich Olivia gekonnt liebenswürdig ein und schüttelte Gina, die gar nicht irritiert schien, die Hand.

„Es ist schön, euch kennenzulernen! Ach… mein Bruder ist untröstlich, daher hat er mich gebeten, dir das zu geben.“ Sie verzog genervt die glänzenden Lippen und überreichte Gwendolyn mit perfekt manikürten Fingern einen Umschlag, dessen Inhalt sie nicht überraschte. Es war tatsächlich die Rechnung für die Reinigung seines Hemdes, die sie nun in den Händen hielt; mit einem kurzen Begleitschreiben, wohin sie den Betrag überweisen sollte.

„Untröstlich? Wohl eher unwillig?“, schmunzelte sie. „Bitte versteh mich nicht falsch, aber ich bin froh, dass er nicht persönlich vorbeigekommen ist. Ich freue mich umso mehr, dass wir uns dadurch kennenlernen konnten.“

Gina nickte verstehend. „Eine Buchhandlung direkt nebenan zu haben, wird mich zwar in den finanziellen Ruin treiben…“
„Aber was wäre die Welt ohne Bücher, nicht wahr?“, vollendete Gwendolyn den Satz, und beide lachten.

„Fantastische Welten hatten schon immer einen großen Stellenwert in meinem Leben. Vor allem die Abenteuer von Winnie Pooh! So, ich muss los, sonst zieht mir Theon die Zeit vom Lohn ab", zwinkerte sie mit ihren blau-grünen Augen, die Gwendolyn plötzlich seltsamerweise an karibische Traumstrände im Schneetreiben denken ließen.

Nach einer wohltuenden Mittagspause mit heißer Kürbissuppe für sie und saftigen Salatblättern für Percy machte sich Gwendolyn wieder auf den Weg zum Books & Teatime. Doch während sie durch den weißen Puder stapfte, drifteten ihre Gedanken wie bei einer Schlittenfahrt immer wieder ab zu den gestrigen Ereignissen. Wie konnte sie Theon Barline davon überzeugen, dass sich nicht die ganze Welt nur um seine Instrumente drehte, und sie durchaus eine gute Nachbarin sein würde? Dass Stolz nie eine gute Basis war; für nichts. Und dass sie nicht die Höhlenbewohnerin war, für die er sie hielt, sondern hilfsbereit, liebenswert und umgänglich… wenn man sie ließ!

Auch wenn sie scherzhaft gemeint war… Sollte ich Olivias Idee doch in die Tat umsetzen und meinem Nachbarn einen Präsentkorb inklusive Entschuldigungsschreiben senden?, überlegte Gwendolyn und sog die kühle, belebende Novemberluft ein.

Etwa zwei Häuserblocks entfernt kam endlich der Copyshop in Sicht, zu dem sie noch einen Abstecher machen wollte. Die Fassade war mehrfach zu seinen Ungunsten modernisiert worden. In den trüben, bodentiefen Fenstern hingen bunte Poster umrahmt von glitzernden Tannenzweigen aus Kunststoff. Auf einem von Flugrost getupften Metallschild oberhalb der Schaufenster tanzte der Name des Shops CopyMaster in dicken Comicbuchstaben.

Als Gwen die Glastür öffnete, fuhr ihr die Melodie einer Hupe durch Mark und Bein. In einem Moment trat sie in den Laden und im nächsten stand sie in der Fankurve des FC Chelsea. Sie unterdrückte einen Schreckensschrei und musste kurz warten, bis sich ihr Puls wieder beruhigt hatte, bis sie sich weiter vorwagte. Rechts und links reihten sich mit Nummern und Hinweisschildern zur Benutzung bestückte Kopiergeräte aneinander. Sie ging auf den Verkaufstresen zu, auf dem ein dicker Weihnachtsmann mit Wackelkopf die Kunden begrüßte. Der Mittdreißiger dahinter blieb lieber in seinem Versteck und tippte mit geducktem Kopf auf der Tastatur seines Laptops herum, als seine Kunden zu bedienen. Das Gesicht blass und sein blondes Haar schütter ließ er sich prima in die klischeehafte Schublade eines Computer-Nerds stecken, der allenfalls wusste, wie man Sonne buchstabiert.

Gwendolyn räusperte sich, was offensichtlich denselben Schreck bei ihm auslöste wie die Hupe gerade bei ihr.

„Oh, hallo. Kann ich helfen?“ Er machte ein Gesicht, als hätte sein Laptop-Akku null Prozent.

„Das hoffe ich", nickte sie und lächelte, worauf seine Ohren ein blasses Radischenrot annahmen.

Er sah sie fragend an und lächelte irgendwie unbeholfen. Das machte Gwendolyn auf unangenehme Art nervös, und sie bestellte schnell die Banner.

„Auf welchen Namen?“, wollte er wissen.
„Gwendolyn Shakespeare.“

„Gwendolyn Shakespeare“, wiederholte er ihren Namen mit säuselnder Stimme und notierte ihn.

„Wann kann ich sie abholen?“ Sie hatte den großen Wunsch, sofort aus diesem Laden und dieser Situation zu verschwinden.

„Wenn Sie möchten, bringe ich sie vorbei, wenn sie fertig sind.“

Widerwillig nickte sie. „Aber rufen Sie bitte vorher an. Das ist meine Nummer.“ Als sie ihm ihre Nummer diktierte, war der Farbton seiner Ohren bei Christbaumkugelrot angelangt.

„Vielen Dank!“ Schnell verließ sie das Geschäft mit einer Mischung aus Befriedigung, einen Punkt auf ihrer Liste abgehakt zu haben, und einem Gefühl des unangenehmen Nachklangs einer peinlichen Begegnung.

Wenig später stand Gwendolyn mit Olivia vor ihrem Haus auf dem Gehweg, den sie mittlerweile vom Schnee befreit hatten.

„Danke, dass du da bist und mir hilfst. Das bedeutet mir viel.“ Sie nahm ihre Freundin in den Arm. Eine solche Freundschaft war, was einen stützt, beschützend umarmt und auffängt.

„Ich hab etwas für dich!“, grinste Olivia und deutete auf zwei in braunes Packpapier eingewickelte Pakete, die an der Hauswand lehnten. Beide waren flach, eines länglich und eines quadratisch. „Für dich, meine Liebe! Mach es auf! Mach es auf!“ Sie klatschte aufgeregt in die Hände.

Gwendolyn löste die Klebestreifen, einen nach dem anderen, und spürte, wie Olivias Ungeduld wuchs, bis sie es nicht mehr aushalten konnte. „Reiß es doch einfach auf, Cap! Ich erzähle es auch nicht deinem Vater!“

Burdon konnte es nicht ausstehen, wenn jemand das Papier eines mit viel Liebe eingepackten Geschenks einfach aufriss. Wie oft hatte es Gwendolyn nicht aushalten können, wenn er Klebestreifen für Klebestreifen sorgsam abzog und das Papier später zusammenfaltete, als wolle er es noch einmal benutzen. „Meine Mutter hat das Papier sogar gebügelt", hörte sie ihn sagen. Doch jetzt war er gerade nicht in der Nähe. Sie grinste und tat Olivia den Gefallen. Im nächsten Moment war sie schlicht überwältigt! Zum Vorschein kam ein in dunklem Pink lackiertes Holzschild, auf dem in goldenen invertierten Serifenlettern stand:

Books & Teatime

Das quadratische Paket war im Durchmesser größer als ein Fahrradreifen. Als Gwendolyn das Packpapier aufschlug und sie den Inhalt sah, konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Es war eine aus Metall gefertigte, dampfende Tasse, gold lackiert und mit einem Herz darauf, die auf den aufgeschlagenen Seiten eines dunkelroten Buchs stand. An zwei Dampfkringeln darüber waren Ösen befestigt.

Gwendolyn drückte und herzte Olivia überschwänglich vor Freude und Rührung. „Bringen wir sie gleich an?“
„Sollten wir nicht besser deine Mom fragen…?“

„Ach, was! Die ist drinnen noch beschäftigt. Das kann doch nicht so schwer sein.“ Übersprudelnd vor Glück holte Gwen den Werkzeugkoffer aus dem Keller und Olivia lehnte die große Leiter an die Hauswand.

Der Rost hatte die Schrauben störrisch gemacht, weshalb das Abmontieren des alten Holzschildes schwieriger war, als gedacht. Doch als die Wolkendecke an diesem Tag zum ersten Mal ein wenig aufriss, hatten sie es endlich geschafft. Nun baumelte das Metallschild an der verschnörkelten Wandhalterung, und zaghafte Sonnenstrahlen ließen die goldenen Lettern auf dem neuen Holzschild glänzen.

„Bin gleich wieder da!“ Olivia verschwand kurz im Laden und kam dann schelmisch grinsend dicht gefolgt von Holly und Burdon wieder heraus. Alle trugen gefüllte Sektgläser, von denen Gwendolyn nun auch eines gereicht wurde.

„Du hast ja wirklich an alles gedacht! Vielen Dank!“, strahlte sie. „Es ist, wie Stephen Hawking einst geschrieben hat: Denke daran, zu den Sternen empor zu blicken, statt hinunter zu Deinen Füßen.“

„Du und deine Buchzitate.“ Ihre Mom nahm sie liebevoll in den Arm.

„Auf dich und deinen Traum, der wahr wird!“, lächelte Burdon. Sie ließen die Gläser klirren.

Als sie einen Schluck nahm, breitete sich ein festlich-prickelndes Gefühl von ihrer Zunge in Gwendolyns ganzem Körper aus. Zu viert standen sie andächtig nebeneinander und blickten empor; zu dem Schild, das für Gwendolyn nicht nur die Sterne, sondern das ganze Universum bedeutete. „Es ist noch viel schöner, als ich es mir vorgestellt habe!“, flüsterte sie und lächelte. Denn für ihr Notizbuch war ihr gerade ein noch viel besseres Zitat eingefallen:
“Manchmal sind es die kleinsten Dinge, welche den meisten Platz in deinem Herzen einnehmen.” ∼ A. A. Milne, Winnie Pooh

Diese kleinen Dinge, von denen hier die Rede war, waren für Gwendolyn die herrlich leckeren Gesten der Beths, deren liebevollen Worte oder auch Olivias grenzenlose Hilfsbereitschaft. So wundervoll und herzwärmend! Sie musste zugeben, dass sie ein wenig erleichtert war, dass Flash Roger nicht mehr aufgetaucht war. Sie würde sich morgen früh bei Dr. Strom nach den Sicherungen erkundigen. Umso mehr freute sie sich, viele neue und liebenswerte Bekanntschaften gemacht zu haben.

„Miss Shakespeare? Wohin damit?“, platzte jemand ruppig in ihre Feierlichkeiten. Ein Versandbote schleppte unter leisem Stöhnen ein großes Paket heran.

„Stellen Sie es in den Eingang! Vielen Dank!“, freute sich Gwendolyn. Denn das musste das Geschirr sein; was bedeutete, sie konnte auch den Tresen und die Kommode einräumen! Zusammen mit Olivia trug sie den schweren Karton in den Laden und öffnete ihn. Es war tatsächlich das Geschirr. Doch die Freude währte nicht lange, denn sie sah in einen Scheiterhaufen aus geknuddelten Papierfetzen und Scherben. Gwendolyn griff in den Karton und hielt einen abgebrochenen Henkel in der Hand. In diesem gesamten Trümmerhaufen fanden sich nur eine Tasse und zwei Untertassen, die heil geblieben waren. Das war eine Katastrophe!

Olivia legte vor Schreck die Hand vor den Mund.

„Es wurde extra für mich handgefertigt!“, stöhnte Gwendolyn und war der Verzweiflung nah. Holly nahm sie in den Arm.

„Scherben bringen Glück, Liebes“, versuchte Burdon sie mit einer seiner gut gemeinten Lebensweisheiten wieder aufzubauen. Was ihm auch gelang. Denn trotz des kaputten Geschirrs und ihrer Differenzen mit Mr. Barline überwogen all die guten Dinge, die heute ohne Rücksprache einfach hereingeschneit waren: Die zuckersüßen Beths, das wunderschöne Schild und die dampfende Teetasse über dem Eingang, die ihrer Buchhandlung endlich einen Namen gaben. Die Auslage mit Regalen, die Holly in den Schaufenstern eingebaut hatte und die erste Begegnung mit Georgina Barline.